Tacpic ist eine Plattform, die es ermöglichen wird, taktile Grafiken zu erstellen, zu teilen und anfertigen zu lassen.

“tacpic” steht für tactile pictures, fühlbare Bilder. Das Projekt, gefördert von der Investitions­bank Sachsen-Anhalt, entwickelt seit dem ein Angebot, um allen die Möglichkeit zu geben, taktile Grafiken zu gestalten und anderen zugänglich zu machen. Die Grafiken können so produziert werden, dass sie sowohl taktil als auch visuell erfasst werden können. So schlagen sie eine Brücke zwischen sehenden und sehbeeinträchtigten Menschen.

Über das Vorhaben

Wir leben in einer visuellen Welt. Das Sehen prägt unseren Sprachgebrauch, unsere Motorik und unseren Erkenntnisgewinn. So nehmen wir 80 Prozent unserer Informationen über diesen Sinn auf. Fällt diese wichtige Wahrnehmungsform weg, müssen unsere anderen Sinne Kompensationsarbeit leisten. In der Vermittlung von Information, Wissen und Verständnis über unsere Welt ist besonders der Tastsinn Wichtig. Tacpic ist eine Online-Plattform, die es einem breiten Publikum ermöglichen wird, taktile Grafiken zu finden, zu gestalten, zu teilen und zu bestellen. Taktile Grafiken sind Reliefbilder, die von blinden und sehbehinderten Menschen mit ihrem Tastsinn erfasst werden können, wobei ganz besondere kognitive und wahrnehmungspsychologische Rahmenbedingungen gelten. Der Service wird sich auf drei Pfeiler stützen: Erstens wird ein neuartiger Editor als Webanwendung entwickelt, der speziell für die Gestaltung taktiler Grafikvorlagen konzipiert ist. Zweitens wird ein Katalog von der Community – bestehend aus Laien und Experten – mit Grafikvorlagen aus dem Editor gepflegt und kuratiert. Da der Editor eine gewisse Einheitlichkeit forciert, finden blinde oder sehbehinderte Nutzende einen schnellen Zugang zu den Grafiken aus dem Katalog. Und drittens können die Vorlagen aus dem Katalog als physische Kopien bestellt werden.

Kernstück der Online-Plattform wird ein Editor sein, der die Gestaltung von Vorlagen für die Produktion taktiler Grafiken ermöglichen wird. Der Editor ist eine nutzerfreundliche, effiziente und effektive Alternative zu entweder überkomplexer Universal-Grafiksoftware oder teurer Spezialsoftware, die in allen Fällen dringend einen Usability-Facelift nötig hätte. Gewappnet für diese Aufgabe ist die Software unter drei Aspekten: Erstens unterliegen die grafischen Bearbeitungsfunktionen Beschränkungen und Optimierungen, die von den Möglichkeiten und Grenzen des Tastsinns abgeleitet sind und aus bewährten Richtlinien stammen, wie u.a. die der Braille Authority of North America (BANA). Beispielsweise können Linien nicht beliebig nah aneinander platziert werden und es steht nur eine limitierte Auswahl von Füllmustern zur Verfügung. Diese können lediglich in begrenztem Umfang eingesetzt werden, um eine fühlbare Unterscheidung zu gewährleisten. Zweitens unterstützt die Anwendung die Nutzenden bei bestimmten Aufgaben und leitet sie an. So werden sie mithilfe eines Fragebogens durch die Erstellung der Bildbeschreibung geleitet. Vorlagen für das Layout, wie Seitenzahlen oder Titelplatzierung, erleichtern Routineaufgaben. Außerdem gibt es Funktionen, die erforderliche Arbeitsschritte vereinfachen, wie das Erstellen von Braille-Labels mit überlagerter Schwarzschrift oder das Anlegen einer Legende, wenn zugunsten der Übersichtlichkeit Beschriftungen abgekürzt werden müssen. Da der Editor den Nutzenden diese Beschränkungen uferlegt und gründlich recherchierte Richtlinien bereitstellt, folgen die erstellten Grafikvorlagen einem bestimmten Standard. Diese Einheitlichkeit soll es sehbehinderten und blinden Menschen leichter machen, einen Zugang zu den so gestalteten taktilen Grafiken zu finden. Drittens kann eine fertige Grafikvorlage in den jeweils benötigten Formaten für verschiedene Medien ausgegeben werden. Die Vorlagen enthalten zwei Datenebenen: Eine enthält alle grafischen Elemente, die sichtbar gedruckt werden, die andere enthält Informationen über das Relief. Dieses Rohformat ist zunächst generisch, kann also in verschiedene spezialisierte Ausgabeformate übersetzt werden.

Wir wollen mit einem nach dem Wiki-Prinzip arbeitenden Katalog Synergien aus der Community schöpfen: Erstellte Grafikvorlagen können nach dem Ermessen der Gestaltenden in einem öffentlichen Katalog zugänglich gemacht werden. Der Katalog ermöglicht es den Nutzenden auf die Arbeit der Community zurückzugreifen, um das mehrfache Erstellen identischer Grafiken an verschiedenen Standorten und den damit verbunden Aufwand zu vermeiden. Andere Nutzende haben die Möglichkeit, auf die Daten zurückzugreifen, sie qualitativ und konstruktiv zu bewerten, Verbesserungen anzufragen und anzubringen, Varianten bereitzustellen und zu verschlagworten. Somit soll eine Sammlung hochwertiger und tauglicher Grafiken öffentlich bereitgestellt werden. Das funktioniert nach dem eingangs erwähnten Wiki-Prinzip, nur dass statt an Texten an Bildern gearbeitet wird. Der in den Service integrierte Editor bietet allen Nutzenden eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, die eine Einheitlichkeit garantiert, sodass der taktile Zugang erleichtert wird.